Über die Bedeutung von Kooperationen – „Wie Kinder trauern“ im Hof der Stadtbibliothek

Über die Bedeutung von Kooperationen – „Wie Kinder trauern“ im Hof der Stadtbibliothek

Am vergangenen Freitag haben wir uns im wunderschönen Innenhof der Stadtbücherei auf Einladung des Familienzentrums zu einer ganz besonderen Veranstaltung treffen können: „Wie Kinder trauern – wenn Abschied plötzlich Thema wird.“

Die Stadtbücherei hatte alles gerichtet, sodass man bei kühlem Getränk und Schatten im Hof gut ankommen konnte. Im Eingangsbereich war ein Büchertisch der Bibliothek aufgebaut. Auf ihm konnte man stöbern und Bücher zum Thema in die Hand nehmen – von Bilderbüchern über kindgerechte Titel, bis hin zu Sachbüchern und Ratgebern für Erwachsene. Draußen ebenfalls eine Sammlung von Büchern zum Thema, mitgebracht von Andrea Gramlich von der Traueroase der GeLeWa (Generationenübergeifendes Leben in Walldorf e. V.; auf Instagram: @traueroase_für_eltern).

Andrea Gramlich war es auch, die den Abend mit einem kurzen Vortrag darüber eröffnete, wie wichtig es ist, das Trauern nicht aus dem Leben zu verdrängen. Man kann ihm gar nicht entgehen. Denn im Laufe des Lebens trauert man oft: Ob beim Wegzug in eine andere Stadt, beim Schulabschluss, oder eben, ganz besonders schmerzlich, beim Tod eines Menschen, der einem nahesteht. Sie plädierte dafür, sich auf die eigenen Trauerprozesse einzulassen, denn jeder Mensch trauert individuell. Es gibt weder einen Rhythmus noch einen Zeitablauf. Nur dann wird es möglich, auch mit der Trauer anderer umzugehen. Und das gab die Vorlage für den nächsten kurzen Abschnitt an Information: Marion Pflästerer vom Familienzentrum Walldorf (auf Instagram: @familienzentrumwalldorf) und Oliver Tuscher für die psychosoziale Beratungsstelle der Stadt Walldorf erläuterten kurz, wie Trauer bei Kindern in verschiedenen Altersstufen aussehen kann. Auch sie ist höchst individuell und braucht in jedem Fall die Begleitung einer engen Bezugsperson, um damit umzugehen.

Im Anschluss bestand Gelegenheit, an den Büchertischen zu blättern oder mit den Referent:innen ins Gespräch zu kommen, wovon lebhaft Gebrauch gemacht wurde. Als Ergänzung war auch Pfarrer Boch von der evangelischen Gemeinde vor Ort. Und so ergaben sich viele kleine Gespräche mit teils sehr praktischen Fragen und Ideen – von „soll ich ein kleines Kind mit zur Beerdigung nehmen“ bis hin zu tiefgehenden Kurzgesprächen, die die eigene Trauer betrafen. Die Besucher:innen – meist Frauen interessanterweise – zeigten sich angetan von dieser kompakten, aber inhaltsreichen Veranstaltung. Und man spürte, dass in den Köpfen viele Denkprozesse angeregt wurden.

Über die Bedeutung von Kooperation in der kirchlichen Arbeit heute

Dieser Abend zeigte mal wieder eines: Heute sind Kooperationen in der Arbeit vor Ort immer wichtiger. Keine der Organisationen, weder Bücherei, noch Traueroase, weder Familienzentrum noch Beratungsstelle oder Kirche können auf alle Aspekte und Fragen zu einem Thema erschöpfend Antwort geben. Und im Ort gibt es so viele Expertinnen und Experten, die – gut zusammen eingesetzt – zu breit aufgestellten Gesprächspartner:innen in allen denkbaren Bereichen werden können. Die Zeiten sind also vorbei – zum Glück –, in denen eine Organisation für sich in Anspruch nimmt, alle Fragen beantworten zu können. Wir merken vielmehr, wie wichtig es ist, sich in den örtlichen Bezügen zu vernetzen und zusammenzuarbeiten. Und wir merken: Viel wichtiger als schnelle Antworten zu geben, ist es, sich mit den Fragenden zusammen auf den Weg zumeist individuellen Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu machen.

Darum: Ein Plädoyer für Kooperationen. Sie bereichern, vernetzen und schaffen eine Wissens- und Kompetenzbasis, die wir alleine nie erreichen werden.

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