Besuch im Kloster Maulbronn mit Konfirmand:innen und ihren Eltern

Besuch im Kloster Maulbronn mit Konfirmand:innen und ihren Eltern

Mit knapp 60 Menschen ein Kloster besuchen? Geführt werden und einen Workshop mit Jugendlichen und Erwachsenen machen? Kein Problem im Kloster Maulbronn! Das Weltkulturerbe zwischen Bretten und Mühlacker bietet eine spannende Möglichkeit, ins Leben mittelalterlicher Mönche einzutauchen und davon zu hören, wie ein Kloster als Wirtschaftsbetrieb ein ganzes Dorf um sich herum wachsen lässt.

In Maulbronn steht die am besten erhaltene Klosteranlage in Süddeutschland. Zisterziensermönche haben sich dort vor mehr als 900 Jahren niedergelassen und sich, damals weitab von der Zivilisation, eine geistliche und handfeste Heimat geschaffen. Wir durften mit den Konfis und ihren Eltern in uralten Gemäuern herumlaufen. Wir haben die älteste Holztür Deutschlands gesehen, vom Kreuz in der Kirche gehört, das im Sommer um die Mittagszeit „blutet“. Wir erfuhren, dass dort die Maultaschen erfunden wurden, weil die Fastenzeit so hart war für die Mönche, dass man das verbotene Fleisch in Teigtaschen „versteckte“. Wir bekamen erzählt, dass das Sprichwort „Halt die Klappe“ daher rührt, dass die Sitze der Mönche beim Gebet herunterfallen, wenn man unachtsam aufsteht, und dass das in der Kirche einen ziemlichen Schlag lässt und stört. Und, dass die Gebete schon mitten in der Nacht begannen. Wir hörten von Hermann Hesse, der dort das heute noch existierende Internat besuchte. Man war erstaunt, dass der frühere Friedhof heute der Schulhof des Gymnasiums ist.

Und wir haben den berühmten Brunnen im Kreuzgang gesehen, der gar nicht in einem Guss gebaut wurde, sondern in unterschiedlichen Bauperioden wie ein Bausatz zusammengesetzt und ergänzt wurde.

Natürlich wurde auch ausprobiert, ob heutige Hände in die Rinne an einer Säule im Speiseraum passen, in die die Mönche von damals ihre Finger tauchen durften, um ein paar Tropfen von dem Wein zu schmecken, der dort hinunterfloss.

Und schließlich durften im Workshop alle Pergament (nicht echt!) beschreiben – so wie die Mönche es in ihren Schreibstuben, den Skriptorien gemacht haben: mit Federn aus Vogelgefieder oder Schilfstängeln. Und damit einen Oster- oder Geburtstagsgruß zu schreiben, der danach stilgerecht mit einem Wachssiegel verschlossen und mit nach Hause genommen werden durfte.

Beim Kaffee in der Sonne danach waren wir uns einig: Das war ein nicht nur lohnenswerter, sondern auch sehr schöner Ausflug, bei dem Erwachsene und Jugendliche lernen, staunen und genießen konnten.

 


Foto: Boch

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