Konfis in Speyer

Plötzlich war der Bus voll. Der Linienbusfahrer hat nicht schlecht gestaunt, als am Samstagmorgen 30 Konfis mit 3 Betreuer:innen am Bahnhof einstiegen. Wie praktisch, dass man in kurzer Zeit von hier direkt nach Speyer fahren kann.

Dort angekommen ging es gleich zur Gedächtniskirche der Protestation, der Protestantischen Hauptkirche der Pfalz. 1529 hatten die evangelischen Stände auf dem Reichstag in Speyer mit dem Mittel der „Protestation“ ihren Unmut darüber ausgedrückt, dass sie wieder katholisch werden sollten. Seitdem heißen die bei uns „Evangelischen“ in der Pfalz „Protestanten“ und tun es bis heute. Es gab eine kurze Einführung zur Kirche, und dann konnte man den höchsten Kirchturm der Pfalz, die wunderschöne Kirchen-Decke und ein gewöhnungsbedürftiges Lesepult ebenso bestaunen wie die Wandbilder, die die Geschichte der Reformation erzählen.

Von dort aus ging es zu Fuß weiter in den sogenannten Judenhof. Man besichtigt an diesem Ort die Reste der alten Speyrer Synagoge, die 1689 im Erbfolgekrieg zerstört wurde. Erhalten geblieben ist davon vor allem die „Mikwe“, das jüdische Ritualbad. Einzigartig weit und breit führt eine schmale Treppe etwa 12 Meter tief in die Erde hinein, und unten öffnet sich der Blick auf ein Wasserbecken, in dem die Menschen jüdischen Glaubens sich gereinigt haben, bevor sie vor Gott treten. Inklusive „Umkleidekabine“ in einer Nische, wie die Konfis festgestellt haben. Speyer gehört mit Mainz und Worms zu den großen alten Stätten des mitteleuropäischen Judentums im Mittelalter. Darum ist es immer ein besonderes Erlebnis, diese Relikte zu besichtigen.

Weiter ging es zum großen Kaiserdom, in der Zeit seiner Erbauung die größte Kirche der Welt. Mit dem Dom wollte sich Kaiser Heinrich IV. im 11. Jahrhundert ein Denkmal setzen und zeigen, dass der Kaiser mächtiger und bedeutender ist als der Papst. Mit den typischen kleinen Rundbogenfenstern im romanischen Baustil erstellt, ist es im Speyrer Dom doch ein wenig heller als in anderen romanischen Kirchen – es gibt einfach rundum mehr Fenster.

Langsam wurde es anstrengend für den Einen oder die Andere. Und so war es Zeit, die vorbestellte Pizzeria aufzusuchen und noch gemütlich miteinander zu essen und zu quatschen.

Der Busfahrer war der gleiche, mit dem wir schon hingefahren waren, und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als der ganze Trupp wieder einstieg.

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