Passionszeit – Was ist das?

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, heißt es unter Karnevalist:innen. Und in der Kirche beginnt eine siebenwöchige besondere Zeit: die Passionszeit. Und außer einigen Eingeweihten weiß niemand, was das bedeutet.

Traditionell, als die Kirche noch das Leben der Menschen bestimmte, gehörte ein Rhythmus aus Ausgelassenheit im Fasching und Nachdenklichkeit in der vorösterlichen Zeit zum Lebenslauf dazu. Leben ist nie eine ewige Party. Das ernsthafte Nachdenken über die Gestaltung des Lebens gehört genauso dazu. Darum setzte nach dem (damals übrigens viel frecheren) Faschingstreiben die leise Zeit des Fastens ein. Man wollte sich darauf vorbereiten, dass mit Ostern das größte Fest des Jahres naht. Nach dem Winter wurde auch von der Kirche gute Stimmung und fröhliches Feiern im Fasching gefördert. Vor allem in katholischen Gegenden spielte das eine große Rolle, während die evangelischen Christen da eher zurückhaltend waren. Und dann kam – ab Aschermittwoch und genauso kirchlich verordnet – die magere Zeit, in der man verzichtet und sich reinigt. Sie ist verbunden mit dem Weg, den Jesus auf den Karfreitag zugeht. Darum heißt sie „Passions“-(Leidens-)Zeit. Am Karfreitag erreicht sie ihren Höhepunkt mit dem Tod von Jesus und endet an Ostern mit dem höchsten Fest der Christen, dem Fest des Lebens.

Heute versteht man das nicht mehr so einfach. Solche religiösen Regeln erscheinen eher suspekt. Dabei sehen viele Menschen heute den Sinn einer Fastenphase im Leben durchaus ein. Sie muss nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden sein, wie im Islam der Fastenmonat Ramadan auch durch den Jahreslauf wandert. Der Sinn des Fastens ist immer gleich: Ursprünglich religiös mit einer „Reinigung“ für Gott durch den Verzicht auf Fleisch, Alkohol, Eier und Milchprodukte verbunden, wird das Fasten im Christentum heute oft umgedeutet. In einer Zeit, in der der Einfluss des Glaubens schwindet, bleiben gewisse Prinzipien dennoch erhalten: Verzicht kann nun neben Lebens- oder Genussmitteln auch subjektiv und/oder objektiv schädliche Gewohnheiten oder Alltagserrungenschaften betreffen. Und so startet in der evangelischen Kirche die Aktion „7 Wochen ohne“ ebenfalls am Aschermittwoch. Viele Menschen nutzen sie, um ihre Lebensweise zu hinterfragen – und genau das ist der ursprüngliche Sinn eines Fastens: Sie verzichten für einen selbst gewählten Zeitraum auf z.B. Alkohol, Nikotin, Fleisch, aber auch zunehmend auf Handynutzung, Social-Media-Konsum und Ähnliches. Ziel soll sein, das eigene Leben zu überprüfen und eventuelle Veränderungen vorzunehmen, die gesünder für Körper und Geist sind.

Damit entspricht die Fastenzeit in ihrer modernen Gestalt durchaus dem kirchlichen Fasten seit alten Zeiten. Denn auch da ging es darum, schädliche Einflüsse zu erkennen, die Menschen vom Leben und damit von Gott trennen.

Wir wünschen allen, ob Sie fasten oder nicht, in jedem Fall eine gute Zeit. Und wer Lust hat – in unseren Gottesdiensten geht es auch immer wieder um die Passionszeit und ihre besondere Bedeutung durch die sieben Wochen hindurch.

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