Orgel-Blog 13: Aufbau III und Intonation

Diese Woche hat die Rhein-Neckar-Zeitung ausführlich über die Walldorfer Steinmeyer-Orgel und deren Renovierung berichtet. Den lesenswerten Artikel findet man auf der Website der RNZ unter: https://www.rnz.de/nachrichten/wiesloch_artikel,-walldorf-orgel-wird-zum-50-geburtstag-saniert-_arid,318381.html

 

Der Manualblock ist wieder an Ort und Stelle – die Tasten des ersten Manuales sind bereits mit der Mechanik verbunden. Das Pedal ist auch schon wieder technisch einsatzbereit. Die Registerstaffeln müssen noch auf den Einbau vorbereitet werden.

 

 

 

Das bereits vorhandene Clairon 4′ im Brustwerk wurde zu einer Trompete 8′ umgearbeitet. Diese Umarbeitung ist im Hinblick auf den Gebaruch einer solchen Trompete in diesem Teilwerk besonders sinnvoll. Die größten 12 Pfeifen mussten neu gefertigt werden, können jedoch nicht in voller Länge aufgestellt werden. Daher wurden die Schallbecher „aufgewickelt“ – im Orgelbau nennt man das Kröpfen.

 

 

 

Weil die Windlade des Hauptwerkes um ca. 40 cm nach oben versetzt wurde, mussten für einige längere Pfeifen Öffnungen im Gehäuse geschaffen werden. Vom Kirchenraum aus ist das allerdings kaum sichtbar.

 

 

 

Was übrigens die Bauweise einer Pfeife mit dem Klang zu tun hat, lässt sich anhand dieses Bildes erkennen. Vorne stehen die neuen Pfeifen der Offenflöte 8′, gleich rechts daneben jene des Prinzipal 8′ des Hauptwerks. Die Pfeifen der Offenflöte haben eine deutlich weitere Mensur (Durchmesser) als die Prinzipalpfeifen. Pauschal könnte man sagen: je größer der Durchmesser einer Pfeife, desto warmer und fülliger der Klang. Streicher wie die Viola 8′ (Brustwerk) haben einen engen Durchmesser und klingen daher eher obertonreich – hier zu sehen auf dem rechten Bild.

 

 

Ein Fachbegriff sollte an dieser Stelle doch einmal genauer erklärt werden: die Intonation.

Pfeifen kann man nicht einfach in die Orgel stellen und auf einen guten Klang hoffen. Jede Pfeife muss auf den Raum, das Register (die Klangfarbe, z.B. Flöte oder Trompete) und den Gesamtklang ausgerichtet werden. Diesen Prozess – quasi das Charakterisieren der Orgel – nennt man Intonieren und wird von einem Orgelbauer, der sich auf dieses Fachgebiet spezialisiert hat, ausgeführt. An einer Pfeife gibt es dutzende Parameter, die den Klang einer Pfeife beeinflussen. An unserer Steinmeyer-Orgel sorgen die Intonateure Tristan Lebherz und Reiner Janke für den guten Klang. Da die Orgel vor den Umbaumaßnahmen eine recht unbefriedigende Intonation hatte, darf man neben den Klängen der neuen Register besonders auf die „neuen“ Klänge der alten Register gespannt sein.

 

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